Wittenberg : Der Streit um die Entfernung der “ Judensau “ eine “unendliche Geschichte “ , im Jänner 2020 fortgesetzt

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Aktuell : Herr Düllmann und die “Judensau” ( DER SPIEGEL, 19.01.2020 )

Das vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammende  Relief am Südost-Flügel der Stadt- und Pfarrkirche St.Marien  in Wittenberg , Martin Luther soll in dieser Kirche  gepredigt haben (1) , stellt Juden dar, die an den Zitzen der Sau saugen, während eine andere Figur, nach manchen Ansichten der Rabbiner, den Schwanz des Tieres hebend in dessen Hinterteil schaut. Um den Spott zu vervollständigen wurde noch   שם המפורש  in lateinischer Umschrift hinzugefügt.Derartige Darstellungen sind im deutschen Sprachraum häufig zu finden, unter anderem am  Chorgestühl des Kölner Doms,  am Dom zu Regensburg (Video ) , in der Ernstkapelle des Magdeburger Doms sowie an zahlreichen anderen Orten (2) . Gegen die diffamierende Darstellung in Wittenberg  brachte 2017 ein Mitglied einer jüdischen Gemeinschaft in Berlin Klage wegen Beleidigung nach §185 STGB ein, zusammen mit dem Begehren, dieses Relief zu entfernen ( §1004 BGB) . (3)  Zuständige Stellen der Evangelischen Kirche vertraten den Standpunkt, dass es sich bei dem Relief um ein Stück Geschichte handle und dass in diesem Zusammenhang seit Jahren erläuternde Gedenkkultur gepflegt werde. Nachdem sich das Amtsgericht Wittenberg für unzuständig erklärt hatte , wurde von der klagenden Partei das Landgericht Dessau als nächsthöhere Instanz angerufen. Ein Urteil wird für den 24.Mai 2019 erwartet, wobei die Möglichkeit im Raum steht, dass,  da es sich bei der Evangelischen Kirche um eine Körperschaft öffentlichen Rechts handelt, der Fall  vor dem Verwaltungsgericht neu aufgerollt wird. Der Kläger erklärte, laut BILD , sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen zu wollen.

Fußnoten :

(1)  Martin Luther : Von den Juden und ihren Lügen (Download als PDF )

      Die dunkle Seite Martin Luthers ( Video )

(2)  Bilder zu Judensau ( Wikimedia )

(3) Jüdische Gemeinde verklagt Evangelische Kirche wegen Schmäh- Relief (FOCUS )

Links :

Klage gegen „Judensau“ in Wittenberg ( Frankfurter Rundschau )  (2017)

Wat te doen met de ‘Jodenzeug’ op Luthers kerk? ( TROUW – 2017 )

Nächste Instanz für Prozess um »Judensau ( Jüdische Allgemeine ) (2018)

Verhandlung zu “ Wittenberger Judensau “ hat begonnen (2019)

Rechter buigt zich over Jodenzeug van Wittenberg ( JONET )

Heeft Maarten Luther dit echt gezegd? (TROUW)

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Witttenberg : Die “ Judensau “ darf bleiben

Wie der MDR berichtet, entschied das Landgericht Dessau-Roßlau am  24.5.2019 , dass die Darstellung der “ Judensau “ an der Wittenberger Stadtkirche nicht entfernt werden müsse. Die entsprechende Klage eines Mitglieds der Jüdischen Gemeinde Berlin wurde abgewiesen. In der Urteilsbegründung hieß es, die Kirche habe damit Menschen jüdischen Glaubens nicht beleidigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung zum Oberlandesgericht in Naumburg ist zulässig. Der Kläger hatte bereits im Vorfeld angekündigt, weitere  Rechtsmittel ergreifen zu wollen. Was den Kläger zu diesen  kostspieligen Rechtsstreitigkeiten veranlasst ist unklar, da diese Darstellung bereits seit Jahrhunderten an dieser Stelle zu sehen ist und an der Kirche ein Mahnmal sowie eine Gedenktafel angebracht wurde.

Links :

Was bisher geschah ………

Wittenberger “Judensau”-Relief darf bleiben

Das Schwein des Anstoßes

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