Satire : Josef in Ägypten , der Eunuch des Pharao und #MeToo…

“ It ain’t necessarily so,It ain’t necessarily so .The things that you’re liable,to read in the Bible,it ain’t necessarily so “ – ( George Gershwin : Porgy and Bess )

Etwa 1420 Jahre vor der Zeitrechnung : Der Hirtenjunge aus Kanaan , der  von Höherem träumte ( Genesis, Kap. 37, Vers 5- 11 ), hatte es geschafft : Midianitische Kaufleute – heute würden wir sie Schlepper nennen – brachten Josef an das damalige  Wunschziel so manches Wirtschaftsmigranten, nach Ägypten .  Das Glück war ihm gnädig ,er fand einen Job bei Herrn Potiphar, dem “ Obersten der Leibgarde “, der ihn von den Midianitern freikaufte. So weit, so gut, nur verschweigen die meisten Bibelübersetzungen ein Detail, welches sich für den Fortgang der Geschichte als bedeutungsvoll erweisen könnte. Werfen wir daher einen Blick auf den hebräischen Text des Buches Genesis  :

בראשית פרק לט : וְיוֹסֵף, הוּרַד מִצְרָיְמָה; וַיִּקְנֵהוּ פּוֹטִיפַר סְרִיס פַּרְעֹה שַׂר הַטַּבָּחִים, אִישׁ מִצְרִי, מִיַּד הַיִּשְׁמְעֵאלִים, אֲשֶׁר הוֹרִדֻהוּ שָׁמָּה

Josefs Brötchengeber war also, laut Genesis, Kap39 (hebr.), ein סְרִיס ( Eunuch ) in gehobener Position( שַׂר הַטַּבָּחִים ).( Sowohl in biblischer Zeit als auch später bekleideten Eunuchen häufig wichtige Ämter in Armee und Verwaltung (1) ). Musste sich Herr Potiphar, um dem Anforderungsprofil dieser prestigeträchtigen und vermutlich gut dotierten Stelle zu  entsprechen, einem kleinen Eingriff unterziehen ? Machte ihm sein Dienstherr, der Pharao, ein  Angebot , dessen Ablehnung Majestätsbeleidigung bedeutet hätte ?

Zu Eunuchen ( סריסים ) in Bibel und Talmud verfasste Rabbiner Löwy aus Grosz-Kanisza in der  Neuzeit vom 2. März 1877 (ONB/anno) folgenden Beitrag  :

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Jacopo Tintoretto : Josef und die Frau des Potiphar ( ca. 1544)

Josef war also im Hause des Potiphar,brachte es zum Chefbutler und hielt den Laden am Laufen . Sein Boss brauchte sich um nichts  zu bekümmern und konnte sich in aller Ruhe seinen Mahlzeiten widmen ( Genesis, Kap.39, Vers 6 ). Dieselbe Stelle erwähnt noch, dass Josef ein hübscher Bursche war,oder, wie seine ChefIN fand, “ein leckeres Sahneschnittchen” . So ging alles seinen geregelten Gang, bis …. Benutzen wir doch unsere Fantasie und begeben wir uns auf eine  Zeitreise ins  Ägypten der 18. Dynastie ( Neues Reich ) , etwa in die Zeit des Pharao Amenophis II. ( 1425 – 1401 vor der Zeitrechnung ). Die Reichshauptstadt Memphis im Nildelta, an einem heißen und schwülen Sommertag : Frau Potiphar langweilt sich  schrecklich ! Ach, gäbe es doch schon Fernsehen mit romantischen Seifenopern oder wenigstens  ein Smartphone, um mit den sieben besten Freundinnen Klatschgeschichten auszutauschen !!! Ein Jammer, dass bis zur Deckung dieser  “Grundbedürfnisse ” noch Jahrtausende vergehen müssen . Ob sich die Damen der höheren Klassen des alten Ägyptens die Zeit mit Versandhauskatalogen und Regenbogenpresse zu vertreiben pflegten ? Das  ist keinem der bisher aufgefundenen Papyrii zu entnehmen. Vielleicht könnte ein kompetenter  Ägyptologe wie  Jan Assmann  einen Beitrag zum Thema verfassen ?   Und seit ihr Eheherr im Dienste des Pharao seine Männlichkeit opferte, fühlt  sich die Gute ein wenig unausgefüllt. Aber da ist doch dieser junge Hebräer, den sie keinesfalls von der Bettkante stoßen würde. Gehörte die persönliche Betreuung der Dame des Hauses etwa nicht zu seinem im Arbeitsvertrag festgelegten Aufgabenbereich ? Im Haus munkelt man ohnedies schon, dass , wenn sich der Chef auf Dienstreise in  Theben oder Elephantine  befindet …. . Leider schweigt sich der biblische Text darüber aus.

Und so könnte es sich zugetragen haben : Josef, der zur Zeit in einem Formtief steckt oder, was ebenso denkbar ist, soeben sein Pulver anderswo verschossen hat und deshalb ein wenig Zeit zur Regeneration bräuchte , schafft es dieses Mal nicht, den Wunsch von Frau Potiphar zu erfüllen und macht sich unter einem Vorwand aus dem Staub . Nach einer kurzen Schrecksekunde, denn so etwas war ihr bisher noch nie geschehen, kocht die Wut der enttäuschten Frau hoch ! (2) Das von Josef zurückgelassene Hemd in der Hand, läuft sie durch das in tiefster Mittagsruhe liegende Haus, mit lautstarkem “ #MeToo, #MeToo, #MeToo  !  ” alarmiert sie ihren Gemahl, der soeben bei der Lektüre des Memphis – Chronicle  eingenickt war , und klagt ihm unter Krokodilstränen schluchzend, Josef habe versucht, sie zu……….

Ob Herr Potiphar die Story, die ihm seine Holde auftischt, für bare Münze nimmt ?  Wohl kaum ! Denn statt Josef  um einen Kopf zu kürzen oder ihn den heiligen Krokodilen vorzuwerfen (3) , macht er ihn zum Assistenten des Direktors des Staatsgefängnisses, von dem Genesis , Kap. 39, Vers 22 – 23, durchblicken lässt, dass dieser zur Bequemlichkeit neigt und froh ist, wenn ihm die lästige Büroarbeit abgenommen wird.  Und so beginnt Josefs Karriere, nicht zuletzt dank seiner Erfindung der  psychoanalytischen Traumdeutung ( ein wenig Hofklatsch liefert wertvolle Informationen ) . Über Joseph’s spätere Funktion bei Getreidespekulationen zu Lasten der bäuerlichen Bevölkerung  sind HIER einige Anmerkungen zu lesen. Als kleines Dankeschön für seine Mitwirkung bei der Einführung des Feudalsystems wird Josef mit der Priestertochter Asenat verheiratet ! (4 )

Nachtrag : Die Bibel berichtet von Menschen mit allen ihren Tugenden und Fehlern. Hier wurde versucht, die Geschichte Josephs aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und den biblischen Text ein wenig frei in der Sprache unserer Zeit darzustellen . Es ist keinesfalls beabsichtigt, religiöse Lehren herabzuwürdigen oder Gefühle zu verletzen.

Fußnoten :

(1)  Unter den Heerführern König Sanheribs im Feldzug gegen Jerusalem findet sich der רב סריס ( Obereunuch ) – 2.Könige, Kap. 18, Vers 17 .:

וַיִּשְׁלַח מֶלֶךְ אַשּׁוּר אֶת תַּרְתָּן וְאֶת רַב סָרִיס וְאֶת רַבְשָׁקֵה מִן לָכִישׁ אֶל הַמֶּלֶךְ חִזְקִיָּהוּ בְּחֵיל כָּבֵד יְרוּשָׁלָםִ וַיַּעֲלוּ וַיָּבֹאוּ יְרוּשָׁלַםִ וַיַּעֲלוּ וַיָּבֹאוּ וַיַּעַמְדוּ בִּתְעָלַת הַבְּרֵכָה הָעֶלְיוֹנָה אֲשֶׁר בִּמְסִלַּת שְׂדֵה כוֹבֵס: וַיִּקְרְאוּ אֶל הַמֶּלֶךְ וַיֵּצֵא אֲלֵהֶם אֶלְיָקִים בֶּן חִלְקִיָּהוּ אֲשֶׁר עַל הַבָּיִת וְשֶׁבְנָה הַסֹּפֵר וְיוֹאָח בֶּן אָסָף הַמַּזְכִּיר

(2) Jedes Ungemach, nur kein Ungemach durch die zurückgesetzte Frau .“-  Ben Sirach,Kap. 25, Vers 14

     Kein Gift ist schlimmer als Schlangengift, / kein Zorn schlimmer  als Frauenzorn”- Ben Sirach, Kap.25,Vers 15, 

(3) Nach einer  außerbiblischen Quelle erweist sich Josefs Unschuld (“..sein Hemd war von hinten zerrissen….” ) . Er zieht jedoch das Gefängnis vor, um dort vor weiblichen Nachstellungen und vor weiblicher Hinterlist sicher zu sein.

(4) Die spätere rabbinische Tradition macht Asenath zur Tochter Dinas und Sichems, die von Potifera lediglich adoptiert wurde. Damit wird das exegetische Problem gelöst, dass Josef mit einer Nichtjüdin, sogar der Tochter eines heidnischen Priesters, verheiratet gewesen sei. Siehe auch :

 Die Josefserzählung in rabbinischer und islamischer Tradition (Google Books )

 LINKS :

Joseph in Ägypten : Getreidespekulation in biblischer Zeit

  Josefsgeschichte ( Wikipedia )

Josef und Asenat (Wikipedia)

Josef und Asenat – Volltext – Deutsch ( Wikisource )

Byzanz : Narses- ein Eunuch im Kampf gegen die Ostgoten

Jusuf und Suleika

Buchtipp :

Jan Assmann : Ägypten – eine Sinngeschichte

Fischer – Taschenbuchverlag

ISBN 3-596-14267-9

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