Jüdisches Museum Hohenems : 400 Jahre Schutzbrief Hohenems

Von Dr.Hanno Loewy
Fotos und Video: Yitzchak M. Feuerstein

Während sich Adelsherrschaften und Reiche zu Nationen wandelten, überschritten die europäischen Juden – manchmal freiwillig und oftmals erzwungen – alle nationalen und kulturellen Grenzen. Und suchten zugleich einen Ort des Bleibens. Hohenems war ein solcher Ort, in der Mitte und an der Peripherie Europas zugleich.
In der Geschichte der Hohenemser Juden erscheint die Geschichte Europas wie unter einem Brennglas. Und in einer Zeit der Verunsicherung, in der die Gestalt Europas mehr Rätsel aufgibt denn je, ist der Blick auf diese Geschichte ein möglicher Schlüssel für die Antworten nach denen wir suchen.

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Oben : Jüdischea Museum Hohenems – Hanno Loewy – Festakt im Palast Hohenems – Sonntag, 2. Juli 2017

Einleitung , als Video HIER abrufbar.

400 Jahre Hohenemser Schutzbrief – Festakt Festvortrag von Dan Diner (Tel Aviv)

Von der Vormoderne in die Moderne, am Beispiel des jüdischen Hohenems.

Die jüdische Geschichte in Hohenems begann an der Schwelle zur Neuzeit, im Übergang der Epochen. Jüdisches Leben entwickelte sich hier an einem Schnittpunkt europäischer Räume, zwischen Norden und Süden, Westen und Osten.
Während sich Adelsherrschaften und Reiche zu Nationen wandelten, überschritten die europäischen Juden – manchmal freiwillig und oftmals erzwungen – alle nationalen und kulturellen Grenzen undnd suchten zugleich einen Ort des Bleibens. Hohenems war ein solcher Ort, in der Mitte und an der Peripherie Europas zugleich.
In der Geschichte der Hohenemser Juden erscheint die Geschichte Europas wie unter einem Brennglas. Und in einer Zeit der Verunsicherung, in der die Gestalt Europas mehr Rätsel aufgibt denn je, ist der Blick auf diese Geschichte ein möglicher Schlüssel zu den Antworten, nach denen wir suchen.

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Festrede als Video – HIER

Dan Diner lehrte zuletzt Moderne Europäische Geschichte an den Universitäten in Jerusalem und Leipzig. Er leitete das Institut für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv und das Simon-Dubnow-Institut in Leipzig. Dan Diner ist u.a. der Herausgeber der Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur und Autor zahlreicher Standardwerke zur europäischen, nahöstlichen und jüdischen Geschichte, z.B. Das Jahrhundert verstehen. Eine universalhistorische Deutung (München 1999), Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt (Berlin 2005), Rituelle Distanz. Israels deutsche Frage (München 2015).

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400 Jahre Hohenemser Schutzbrief – Festakt –  Konzert mit jüdischer Musik des Barocks.

Begegnungen: Venezianische Barockmusik und hebräische Liturgie
Ein Konzert mit jüdischer Musik des Barock von

Salomone Rossi (1570–1630), Francesco Cavalli (1602–1676),
Marco Uccellini (1603–1680) und Benedetto Marcello (1686–1739)
Ensemble »La Dafne«
Michele Andaló, Countertenor / Stefano Rossi, Violine
Ayako Matsunaga, Violine / Rosita Ippolito, Viola da Camba
Valeria Montanari, Clavicembalo
Vokalensemble Animantica
Lucia Schwarz / Sarah Morandini / Ramona Häfele

Über die Biografie des Komponisten Salomone Rossi aus der Familie der »Haadoumim« (1) ist nur wenig bekannt: als gläubiger Jude im ausgehenden 16. Jahrhundert, dem Übergang von der Renaissance zur Barockzeit, gehörte er einer Kultur und einem Glauben an, die gerade noch im Zeichen der Inquisition verfolgt worden waren. Umso bemerkenswerter ist es, dass dieser hochtalentierte Komponist, der sich »Il ebreo« nannte, mit Hilfe von christlichen und israelitischen Mäzenen eine fundierte musikalische Ausbildung am Hof von Mantua absolvieren und sich eine angesehene Reputation in der europäischen Musiklandschaft erarbeiten konnte.
Seine Werke wurden bis nach Portugal gefeiert und hatten ähnliche Bedeutung wie die seines Zeitgenossen Claudio Monteverdi. Rossi reformierte die hebräische Liturgie seiner Zeit mit seinen von der christlichen Harmonie und Kontrapunktlehre inspirierten Werken. Er war des Italienischen ebenso mächtig wie des Hebräischen und verarbeitete beide Sprachen musikalisch gleichwertig.

(1) Siehe auch : l’Institut Européen des Musiques Juives

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