Salomon Sulzer, Louis Lewandowski und die Verwirrung der Spätgeborenen

Eine nette ältere Dame,  “ Heldin “ eines kürzlich erschienen Beitrags zum Thema  Frauen und Zeit , wurde neulich von einem Theologieprofessor (!) gefragt, ob sie den Text der untenstehenden Ausschnitte aus Partituren mit Kompositionen von Salomon Sulzer und Louis Lewandowski erklären könne. Die eingangs erwähnte “ nette ältere Dame “ reichte, da sie damit offensichtlich überfordert war, die Anfrage an mich weiter. Bei den Texten handelt es sich um die Transliteration von aschkenasischem Hebräisch in lateinische Buchstaben.Ein  Beispiel : Statt “ Torah” wurde  im  deutsch-jüdischen  Schrifttum des 19. Jahrhunderts häufig die Vokalform “ Tauroh “ gebraucht.  Die Bemerkung , dass diese Gesänge  während des Rundgangs mit der Torah in der Synagoge gebräuchlich seien und dass die Kenntnis derselben eigentlich zum  Basiswissen gehören sollte, stieß bei der guten Frau auf Unverständnis. Man muss  ihr jedoch zugute halten, dass sie jahrelang in einer provinziellen Kleingemeinde tätig war, die es während der vergangenen 60 Jahre, angeblich aus budgetären Gründen,  nicht schaffte, einen Rabbiner, der auch regelmäßig vor Ort “rabbinerte”, oder einen Lehrer mit adäquater judaistischer Ausbildung  anzustellen.(2). G-ttesdienste finden dort meist nur zu den Hohen Feiertagen statt, Frauen sind, gemäß der orthodoxen Tradition , von der aktiven Teilnahme am Ritus ausgeschlossen, dies erklärt auch, weshalb einigen weiblichen Gemeindemitgliedern  Teile der Liturgie  unverständlich bleiben. (3)

Ein audiovisueller “ Leckerbissen “ : Melodie von  Salomon Sulzer – Video

אין כמוך אב הרחמים ויהי בינסע . (Hyperlink anklicken !)

Partituren von Lewandowski und Sulzer  sind in der

Freimann – Sammlung  der Universität Frankfurt/Main zum Download verfügbar

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Oben : Salomon Sulzer-   יְהַלְל֤ו אֶת־שֵׁ֬ם יְהוָ֗ה כִּֽי־נִשְׂגָּ֣ב שְׁמ֣וֹ לְבַדּ֑וֹ ה֝וֹד֗וֹ עַל־אֶ֥רֶץ

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Oben,   Louis Lewandowski :

מאת :דברי הימים א פרק כט (1

לְךָ יְהוָה הַגְּדֻלָּה וְהַגְּבוּרָה וְהַתִּפְאֶרֶת, וְהַנֵּצַח וְהַהוֹד, כִּי-כֹל, בַּשָּׁמַיִם וּבָאָרֶץ:  לְךָ יְהוָה הַמַּמְלָכָה, וְהַמִּתְנַשֵּׂא לְכֹל לְרֹאשׁ. יב וְהָעֹשֶׁר וְהַכָּבוֹד, מִלְּפָנֶיךָ, וְאַתָּה מוֹשֵׁל בַּכֹּל, וּבְיָדְךָ כֹּחַ וּגְבוּרָה; וּבְיָדְךָ, לְגַדֵּל וּלְחַזֵּק לַכֹּל.  יג וְעַתָּה אֱלֹהֵינוּ, מוֹדִים אֲנַחְנוּ לָךְ; וּמְהַלְלִים, לְשֵׁם תִּפְאַרְתֶּךָ.  יד וְכִי מִי אֲנִי, וּמִי עַמִּי, כִּי-נַעְצֹר כֹּחַ, לְהִתְנַדֵּב כָּזֹאת:  כִּי-מִמְּךָ הַכֹּל, וּמִיָּדְךָ נָתַנּוּ לָךְ.  טו כִּי-גֵרִים אֲנַחְנוּ לְפָנֶיךָ וְתוֹשָׁבִים, כְּכָל-אֲבֹתֵינוּ:  כַּצֵּל יָמֵינוּ עַל-הָאָרֶץ, וְאֵין מִקְוֶה.  טז יְהוָה אֱלֹהֵינוּ–כֹּל הֶהָמוֹן הַזֶּה אֲשֶׁר הֲכִינֹנוּ, לִבְנוֹת-לְךָ בַיִת לְשֵׁם קָדְשֶׁךָ:  מִיָּדְךָ היא (הוּא), וּלְךָ הַכֹּל.  יז וְיָדַעְתִּי אֱלֹהַי–כִּי אַתָּה בֹּחֵן לֵבָב, וּמֵישָׁרִים תִּרְצֶה; אֲנִי, בְּיֹשֶׁר לְבָבִי הִתְנַדַּבְתִּי כָל-אֵלֶּה, וְעַתָּה עַמְּךָ הַנִּמְצְאוּ-פֹה, רָאִיתִי בְשִׂמְחָה לְהִתְנַדֶּב-לָךְ.  יח יְהוָה, אֱלֹהֵי אַבְרָהָם יִצְחָק וְיִשְׂרָאֵל אֲבֹתֵינוּ, שָׁמְרָה-זֹּאת לְעוֹלָם, לְיֵצֶר מַחְשְׁבוֹת לְבַב עַמֶּךָ; וְהָכֵן לְבָבָם, אֵלֶיךָ.  יט וְלִשְׁלֹמֹה בְנִי, תֵּן לֵבָב שָׁלֵם, לִשְׁמוֹר מִצְו‍ֹתֶיךָ, עֵדְו‍ֹתֶיךָ וְחֻקֶּיךָ; וְלַעֲשׂוֹת הַכֹּל, וְלִבְנוֹת הַבִּירָה אֲשֶׁר-הֲכִינוֹתִי

Die rot markierten  Worte , von Louis Lewandowski in Musik gesetzt, werden während des Rundganges mit der Torah in der Synagoge vom Kantor gesungen , siehe auch : http://www.am-kolel.org/music/shabbhat/L%27chaAdonai.html (mp3-Musik)

(1) 1.Chronik, Kapitel 29, Vers 11 : “ Dir gebührt die Majestät und Gewalt, HerrIichkeit, Sieg und Dank. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein ist das Reich, und du bist erhöhet über alles zum Obersten .”

Aus : Bibeltext

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Oben : מאת : תהלים צט ה : רוממו יהוה אלהינו והשתחוו להדם רגליו קדוש הוא

Psalm 99, Vers 5: “Rühmt den Herrn, unseren Gott; werft euch am Schemel seiner Füße nieder! Denn er ist heilig.”

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Oben : מי כמוך באלוהים יהוה  – שמות פרק טו

(2) Für Prestigeprojekte  waren jedoch stets  Mittel vorhanden !

(3) Vor mehr als einem Jahrzehnt war ich öfters Gast in einer sehr orthodoxen Synagoge. Im rückwärtigen Teil des ebenerdigen Raumes befand sich, durch eine מחיצה  (Trennwand) abgesondert , die Frauenabteilung. Während in der Männerabteilung auf Hebräisch “ gedawnet “ wurde, war die Unterhaltung der Damen für den, der seinen Platz in den hinteren Sitzreihen hatte, unüberhörbar. Themen wie Kranheitssymptome,  Klatsch, wer mit wem , diverse Unterleibsbeschwerden sowie Kochrezepte ließen den Geräuschpegel in der Frauenabteilung allmählich ansteigen. Wurde es dort zu laut, dann schlug einer der Herren mit einem Buch auf das Pult des Vorbeters, worauf in der Frauenabteilung , zumindest für kurze Zeit, wieder Ruhe einkehrte.

 

p.k.

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