Jüdisches Museum Hohenems : Der Liebesbrief – der Diebesbrief

Von Yitzchak M. Feuerstein

Letzte Veranstaltung im Jubiläumsjahr des Jüdischen Museums Hohenems  am 15. 12. 2016 :

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Dr. Hanno Loewy im  Gespräch mit Eva Grabherr (Hard) und Wolfgang Scheffknecht (Lustenau) über einen Brief mit zwei Seiten

Video : https://www.youtube.com/watch?v=3xXOc8fDQMA

 

Seit der Eröffnung des Jüdischen Museums 1991 zählt ein kleiner Zettel zu den Highlights der Ausstellung: ein charmanter, jiddischer Liebesbrief aus dem Jahre 1675. Kaum einer, der sich von diesem Objekt nicht bezaubern ließe. Inzwischen gibt es den Brief auch als Faksimile, passenderweise zusammen mit einem Hochzeitskuchen, auf dessen Rezeptur der Brief anspielt. Doch wie Karl Heinz Burmeister schon 1988 schrieb, war der Liebesbrief nur die nebensächliche Rückseite eines Beweisstückes in einem Hohenemser Prozess 1675, in dem es um einen Diebstahl ging. Grund genug, um über die verschiedenen Seiten solcher überlieferter Dokumente nachzudenken sowie über die Wünsche und Fantasien von Ausstellungsbesuchern und Ausstellungsmachern. Was wollen wir erzählen, was wollen wir erzählt bekommen – nicht zuletzt über eine Zeit, deren Quellenüberlieferung vor allem aus Gerichtsakten und Herrschaftsdokumenten besteht?

Dr. Eva Grabherr ist Judaistin, Historikerin und Museologin. Von 1991 bis 1995 leitete sie als erste Direktorin das Jüdische Museum Hohenems. Seit 2001 leitet sie die Projektstelle für Zuwanderung und Integration „okay. zusammen leben“ in Vorarlberg. Ihre Forschungen zu Sprachwandel und Akkulturation in der Jüdischen Gemeinde Hohenems mündeten in ihre Dissertation über „Letters to Hohenems: A Microhistorical Study of Jewish Acculturation in the Early Decades of Emancipation“ (2001).

Dr. Wolfgang Scheffknecht ist Historiker und Archivar. Er lehrt an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg und leitet das Historische Archiv der Gemeinde Lustenau. Zu seinen Publikationen gehören die Bücher „Scharfrichter. Eine Randgruppe im frühneuzeitlichen Vorarlberg“ (1995) und „Migrationen in der Geschichte Lustenaus“ (zus. mit Oliver Heinzle, 2011), aber auch zahllose Aufsätze zu Randgruppen, Minderheiten und Häretikern, (1) wie auch zur Geschichte von Hohenems im Spannungsfeld zwischen Habsburg – Österreich, Schwäbischem Reichskreis und Eidgenossenschaft .

(1) Dr. Wolfgang Scheffknecht : “ Stammen die Lustenauer von Zigeunern ab “ ?

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