Wien, bis zum " Anschluss " : Hella Mittler – heute : Nomi Meron- Jerusalem – Lebensgeschichte einer starken Frau

Ich bin dankbar, dass ich meine alte Freundin Nomi Meron in Jerusalem besuchen und mit ihr einige Tage verbringen konnte . Trotz ihres fortgeschrittenen Alters ist Nomi noch sehr agil !

Hier die Lebensgeschichte dieser bemerkenswerten Frau – > lettertothestars .  Daraus  einige Ausschnitte :

…….Und das „durchschnittliche Volk“ hat genauso wenig vom Unterschied zwischen Juden und Christen verstanden:

……..Mein Papa hat im April 1938 noch an Rohr im Gebirge geschrieben, dass wir, wie jedes Jahr, gerne wieder auf Sommerfrische kommen wollen, und „ich betone, wir sind Juden.“ Die prompte Antwort war: „Das ist uns ganz wurscht, ob Sie ein Jude oder ein Christ sind, die Hauptsache: Arier müssen Sie sein.“ Das hat das Volk verstanden, also null. Und das ist meine große Entschuldigung für viele. Nicht für die Regierung, nicht für die Antisemiten, aber für das durchschnittliche Volk. Die haben überhaupt nicht gewusst, worum es ging. Das war eine Massensuggestion….

……Südlich von Berlin liegt Luckenwalde und Ahrensdorf und dort waren wir auf Hachschara, ein Vorbereitungslager für Palästina. Und wir haben keine Ahnung, wir müssen ja mit der Bahn gefahren sein, aber wie sind wir zur Bahn gekommen? Hat man uns hin gebracht, hat man uns abgeholt? Das ist doch eigentlich komisch, dass wir beide (nicht nur ich, wir beide) keine Ahnung haben. Wie sind wir zur Bahn gekommen? Oder die Bahnfahrt: Es muss eine Bahnfahrt gegeben haben, aber keine Ahnung……..

..Von Haifa wurden wir dann mit einem Autobus nach Massada in den Kibbuz gebracht. Das war ein ganz alter kleiner Autobus mit ganz kleinen vergitterten Fenstern, weil man schon damals Steine geworfen hat. Es war eine wahnsinnige Hitze im Autobus. Als wir dann Stunden später mitten in der Wüste anhielten, habe ich gefragt, warum wir hier stehen bleiben an diesem Platz, wo nichts ist? Die Antwort war: „Hier sind wir am Ziel unserer Reise. Hier ist unser neues Zuhause.“ Also, das war wirklich ein Riesenschock für uns. Unsere Reaktion war aber nicht Verzweiflung, nein, wir sind ausgestiegen und sind in einen Freudentanz ausgebrochen. Wir haben getanzt. Wir haben getanzt vor Freude.

Kibbuz :

…Zuerst haben wir in Zelten gewohnt und dann in Holzbaracken. Dann hat man zwei Häuser gebaut. Aber in dieser Hitze war es unmöglich in den Häusern zu schlafen, also haben wir draußen geschlafen. Und wir bekamen Moskitonetze, die wir übers Bett gespannt haben. Die haben wir immer vor dem Schlafengehen nass gemacht und dadurch eine Aircondition gebildet. Der Luftzug durch die nassen Moskitonetze, das war unsere Aircondition….

 

Militär und Musik :

…Mein Mann, Lipa Gawse, war einer der Gründer der Palmach (der ersten Armee; bevor die israelische Armee gegründet wurde).

Er war die ganze Zeit in diesem Militär, in dieser Palmach, er war kaum zu Hause, so dass ich wirklich sehr sehr alleine war.

Ich war auch bei der Palmach, aber nicht mit ihm. Ich hab einen Tommy Gun gehabt, ein schweres Gewehr, und ich hab Morsen gelernt, ich konnte mit den Fahnen von einem Kibbuz zum andern morsen, man ist hinauf auf den Wasserturm und hat von einem Kibbuz zum andern mit Fahnen Zeichen gemacht. Und dann kam auch schon langsam elektronisches Morse… Und so hab ich mit den anderen Kibbuzim Kontakt gehabt.

Als Wächter hat mein Mann damals ein Pferd bekommen. Und da hab ich auch eines bekommen, damit ich mit ihm mitreiten kann. Und wir sind sehr viel geritten, das war ein großes Vergnügen!

Ich hab das ausgenützt und bin mit diesem Pferd in benachbarte Kibbuzim geritten, wo es ein Klavier gab und konnte dort Klavier üben. Und ein Member dieses benachbarten Kibbuzes hat mir auch Lektionen gegeben. Dann bin ich mit dem Pferd in einen anderen Kibbuz geritten, wo es ein Mandolinenorchester gab und hab dort Mandoline gespielt. Mit dem Leiter von diesem Mandolinenorchester hab ich Harmonie und Kontrapunkt studiert und Kompositionen gemacht. Und dann hatte ich wenigstens die Musik wieder. …..

Nomi Meron und ihr Mann Israel Meron (leider verstorben) verbrachten viele Sommer in Tirol. Nomi und Israel Meron waren bei den alljährlichen Friedensveranstaltungen in Mösern bei Seefeld stets Ehrengäste und Redner.

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Oben : Friedensgebet auf einer Insel im Möserer-See, Tirol. Israel Meron zwischen Bischof  Manfred Scheurer und Superindententin Luise Müller  :

Dazu : Psalm unter der Friedensglocke

p.k.

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