ARBEITER in den Kultusgemeinden -gibt es die tatsächlich noch ? – Teil 2

Secessio plebis   oder “ … mit den Füßen abstimmen “…

Herr Dezoni Dawaraschwili (IKG Wien ) beklagt in der “ Wiener Zeitung “- vom 9.11.2012.: “ in Wien gibt es an die 15.000 Juden – aber nur 7700 sind gemeldet. Das ist schlimm, weil es eine Gleichgültigkeit zeigt, und das ist für mich ein Thema. Da brauche ich keinen Zuzug von außen, um die Gemeinde zu vergrößern, da kann ich die einbinden, die bereits hier leben…”

Löbliche Absicht ! Dazu wäre es vielleicht hilfreich, auch diejenigen Juden, die von ihrer Herkunft und von ihrem sozialen Status her nicht unbedingt zum “ Establishment “ gehören, mit ein klein wenig Respekt zu behandeln und für voll zu nehmen !
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Ich habe oft Gelegenheit, in Wien, am Hannovermarkt, Karmelitermarkt , Volkertmarkt etc. mit den sogenannten “ kleinen Leuten “ zu sprechen.
Nicht selten bekomme ich  sinngemäß zu hören : “ .. man nimmt mich (uns) nicht für voll , man respektiert mich ( uns ) nicht “ , wozu sollen wir  Mitglieder der Kultusgemeinde sein… “.
( Bei derartigen Begegnungen begleitet mich  meist eine liebe Bekannte, die fließend Russisch und Usbekisch spricht !)

Besonders Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion sind, was geringschätzige Behandlung betrifft, überaus empfindlich. Dazu kommt, dass sie “ Behörden” – und als solche empfinden sie die Kultusgemeinde  – wie aus der ehemaligen Sowjetunion gewohnt – misstrauen.

Man muss jedoch Herrn Oskar Deutsch zugute halten , dass er für  Sprechstunden  zur Verfügung steht, obwohl man den Zugang nicht gerade als  “ niederschwellig” bezeichnen kann !

Zu Beginn dieses Jahres erhielt meine, oben erwähnte, Bekannte, sie lebt als einzige Jüdin in einem kleinen Ort in Niederösterreich, einen Brief von der  IKG Wien, die offensichtlich auf der Suche nach den “ verlorenen Schafen des Hauses Israel “ war. Im beiliegenden Formular wurde sie ersucht, zwecks Registrierung, ihre persönlichen Daten zu übermitteln . Ich riet ihr unter “ Beruf “ : Pensionistin ( AUSGLEICHSZULAGE ) anzugeben. Soviel ich weiß, hat sie nie wieder etwas von der Kultusgemeinde gehört.

Was hier oben steht lässt sich, nach meinen Erfahrungen, auch auf andere Gemeinden in Österreich, Deutschland und in den Niederlanden übertragen.

Vor allem in Westösterreich, Bayern und der Deutschschweiz treffe ich immer wieder auf ehemalige Israelis, sowie, dann und wann, auf “einheimische” Juden,  die mit den Kultusgemeinden , aus den oben angeführten Gründen, keinen Kontakt wollen , die, wie man es in “ Schwyzerdütsch” so schön ausdrückt  “ ..das Fonduekächeli gstriche voll händ “.

In den “ etablierten “ Gemeinden ist man meist nicht sehr erbaut über “ Chabad – Lubavitch “. Man mag über diese Bewegung denken, wie man will,  die “ Chabadniks “ gehen jedoch auf die Menschen zu – was so mancher “ Doktorrabbiner “ unter seiner akademischen Würde findet . So lässt sich möglicherweise ihr Erfolg bei , vor allem russischsprachigen, Immigranten, erklären.

Da stand, vor Jahren, auf dem Flughafen Tel Aviv, im Transitraum ein Informationsstand der “ Chabadniks” mit der Aufschrift:  “ JUDAISM WITH A SMILE “.

Und lange bevor “ Streetworker “ zirkulierten ging der Rabbiner von Migdal Ha EmekJitzchak David Grossmann  hinaus auf die Straße zu den Menschen !!

Liebe “ Parnassim “ in den Büros der “ öffentlich – rechtlichen Körperschaften “ und diverser anderer  Gemeinden  – bitte realisiert, dass der Schöpfer nicht nur Professoren, Doktoren und Magister , sondern auch Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit handfester  Arbeit verdienen müssen, in diese Welt kommen ließ !
Ein wenig Freundlichkeit, ein wenig Zuhören, wäre das  wirklich zu viel verlangt ???

Oder gilt heute noch, worüber Dr. Samuel Markus, Rabbiner in St.Pölten,  als Fortsetzungsartikel in der “ Neuzeit “ vom 8. September 1876 und in folgenden Ausgaben schrieb :

 

p.k.

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